50 Jahre grüne Innovation – Jubiläumsfeier vom 9.6.2017

Am 9. Juni 2017 feierte die BFH-HAFL mit einer ganztägigen Veranstaltung ihren 50. Geburtstag. Neben Referaten, Podien und zwei Parallel-Konferenzen zu hochaktuellen Herausforderungen erwarteten die rund 250 geladenen Gäste aus Politik und Wirtschaft auch Rundgänge und Führungen auf dem Campus in Zollikofen.

Symposium und Parallel-Konferenzen

Von der Geschichte zur Vision: Lehre und Forschung an der BFH-HAFL

Am 2. Oktober 1967 nahm das damalige Schweizerische Landwirtschaftliche Technikum mit 75 Studenten den Betrieb auf. Es folgten 50 Jahre geprägt von Wachstum und Innovationen. Heute zählt die Hochschule für Agrar- Forst- und Lebensmittelwissenschaf-ten HAFL über 900 Studierende und Mitarbeitende.

 

 

• Prof. Dr. Magdalena Schindler, BFH-HAFL – Begrüssung

• Dr. Bernhard Pulver, Regierungspräsident Kanton Bern – Die Rolle der BFH-HAFL in der bernischen und schweizerischen Bildungslandschaft

• Dr. Franziska Zellweger, PH Zürich – Die Zukunft der Lehre an Hochschulen

• Forschung an der BFH-HAFL: Quo vadis? – Podiumsdiskussion mit Marie Garnier, Regierungsrätin Kanton Freiburg; Prof. Dr. Ute Seeling, KWF Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V.; Hans-Martin Wahlen, CEO Kambly SA und Schulrat BFH

Zusammenfassung

Von der Scholle in die Schale: Die Nachhaltigkeit von Nahrungsmittelsystemen

«Gesunde und nachhaltig Nahrungsmittel sind nur dann möglich, wenn die Akteure der gesamten Wertschöpfungskette Verantwortung übernehmen», sagte Adrian Aebi, Vizedirektor des Bundesamts für Landwirtschaft BLW. 

 

Auch die BFH-HAFL leistet mit zahlreichen Projekten aus der angewandten Forschung einen Beitrag dazu. Bei der Fleisch- und Milchproduktion empfahlen die Expert/innen der BFH-HAFL auf «Klasse statt Masse» zu setzen. So biete etwa die «Wiesenmilch» mit doppelt so vielen Omega-3-Fettsäuren einen echten Mehrwert. Und von der Qualität des «Jambon de la borne» von speziell gefütterten Schweinen konnten sich die Teilnehmenden bereits beim Mittagessen überzeugen. 

 

Da es zudem ein wachsendes Bedürfnis nach reduziertem Fleischkonsum gibt, präsentierte ein weiteres Forschungsteam mögliche einheimische, pflanzliche Alternativen zu tierischen Proteinen. Im letzten Referat drehte sich dann alles um die Kartoffel und wie diese möglichst heil und makellos vom Feld bis ins Verkaufslokal gelangt. Denn das Auge isst bekanntlich mit.

 

 

Präsentationen

Adrian Aebi, Bundesamt für Landwirtschaft – Die ganze Wertschöpfungskette im Blick (pdf)

Prof. Dr. Andreas Keiser, BFH-HAFL – Kartoffelqualität: Alles andere als einfach (pdf)

Prof. Dr. Beat Reidy und Eugenia Harms, BFH-HAFL – Wiesenmilch: Weiss aber trotzdem anders (pdf)

Prof. Dr. Martin Scheeder, Prof. Dr. Thomas Brunner und Prof. Hans Ramseier, BFH-HAFL – Essgenuss: Fleisch und seine Alternativen (pdf)

 

Industrie 4.0: Die Waldwirtschaft der Zukunft

Die Digitalisierung ändere die Welt sehr schnell und führe zu disruptiven Entwicklungen – auch in der Waldwirtschaft. Mit diesem Statement eröffnete Jürgen Rossmann, Leiter des Instituts für Mensch-Maschine-Interaktion der RWTH Aachen University die Konferenz zu Industrie 4.0 im Forstwesen. In seinem Beitrag zeigte er die Chancen auf, die sich mit sogenannten digitalen Zwillingen eines Waldbestands eröffnen. Zum Beispiel errechne sein Institut so Prognosen, wie gefährdet ein Bestand durch Windwurf ist. Das sei aber erst der Anfang. Denn vom Internet der Dinge gehe es nun in Richtung Internet der Dienste. «Ein Waldbestand wird sich in Zukunft selbst melden, wenn es einen forstlichen Eingriff braucht.»

 

Dass die digitale Zukunft im Wald auch in der Forschung an der BFH-HAFL Einzug gehalten hat, zeigten drei Beiträge zu Entwicklungen von der BFH-HAFL. So erläuterte Martin Ziesak zum Beispiel, wie sich mit einer Messlanze digitale Zwillinge von Forststrassen erstellen lassen. Und dank dieser massiv Unterhaltskosten eingespart werden können.

 

 

Präsentationen

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Rossmann, Institut für Mensch-Maschine-Interaktion, RWTH Aachen – Schöne neue Welt – die vierte Revolution und ihre Folgen (pdf)

Prof. Dr. Luuk Dorren, BFH-HAFL – Mit Satellitendaten den Wald bewirtschaften (pdf)

Prof. Dr. Martin Ziesak, BFH-HAFL – Hightech fürs Management von Forstwegen (pdf)

Prof. Dr. Christian Rosset, BFH-HAFL – Forest Glass und Smartphone Apps im Wald (pdf)

Zwischen Wandtafel und E-Learning: Die Suche nach dem erfolgreichen Unterricht

«Auch nach 50 Jahren geht die Suche nach dem erfolgreichen Unterricht weiter», resümierte Roland Stähli, Leiter Ressort Lehre der BFH-HAFL. In seinem Impulsvortrag strich Dieter Euler von der Universität St. Gallen eindrücklich hervor, dass neben den Kompetenzen einer Lehrperson die Persönlichkeit viel stärker zu gewichten sei. Damit war auch die anschliessende Podiumsdiskussion über die Erfahrungen und Herausforderungen in der Berufsbildung lanciert. «Zu einem gewissen Teil wird man als Lehrperson geboren», war Martin Willy, Berufsschullehrer und Alumnus der BFH-HAFL überzeugt.  

 

Für weiteren Gesprächsstoff sorgte die Frage nach der Digitalisierung im Unterricht. Die Podiumsteilnehmenden waren sich einig: Digitale Medien bedeuten nur dann einen Fortschritt, wenn sie auch einen echten Mehrwert liefern können. Zudem führten Trends wie Onlinekurse dazu, dass die persönliche Interaktion zwischen Lehrpersonen und Lernenden verloren ginge. «Das gemeinsame Diskutieren ist aber enorm wichtig für das Lernen», gab Agronomiestudentin Manuela Lerch zu bedenken.

 

Spiel mit dem Feuer: Landnutzung im Zeichen des Klimawandels

Wichtigste Quelle für den Klimawandel sind die Emissionen aus fossilen Energieträgern, hielt  Fortunat Joos vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern fest. Zwar trage auch die Landnutzung zu den Treibhausgas-Emissionen bei, aber: «Ohne Reduktion der fossilen Emissionen bleiben Massnahmen im Bereich der Landnutzung praktisch wirkungslos.» Hauptverursacher sind mithin die Industrieländer. In den Entwicklungsländern hingegen gehen laut Jürgen Blaser, Dozent an der BFH-HAFL, die CO2-Emissionen vor allem aufs Konto der Wald- und Landwirtschaft. Eine Strategie, um diese Situation zu verbessern, liege in REDD+-Programmen.

 

Urs Scheidegger, Leiter der Masterstudien an der BFH-HAFL, unterstrich, dass der Klimawandel in Zukunft zu massiven Ernteverlusten führen werde. Besonders in den Tropen und Subtropen sei deshalb der Anpassungsbedarf gross. An einigen Beispielen zeigte er, in welchen Bereichen die angewandte Forschung gemeinsam mit betroffenen Landwirt/innen geeignete Massnahmen entwickelt: etwa bei Pflanzenzüchtungen, Anbau- oder Bewässerungssystemen.

 

 

Präsentationen

Prof. Dr. Fortunat Joos, Oeschger-Zentrum für Klimaforschung, Universität Bern – Treibhausgas-Emissionen aus globaler Landnutzung (pdf)

Prof. Dr. Jürgen Blaser, BFH-HAFL – Das Dilemma mit der Rolle des Waldes in der Klimapolitik (pdf)

Prof. Dr. Urs Scheidegger, BFH-HAFL – Leben mit dem Klimawandel – Anpassung in der Landwirtschaft (pdf)