Changing Landscapes: What Future for Tropical Forests?

Welche Zukunft haben tropische Wälder? Welchen Beitrag haben Schweizer Institutionen bisher geliefert, um diese zu erhalten? Und: Wofür sollen sie sich jetzt und in Zukunft einsetzen? An der  Fachtagung im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums der BFH-HAFL kamen am 20. Oktober 2017 erstmals alle wichtigen Player der Schweiz zusammen, die sich mit dem Erhalt der Tropenwälder und deren nachhaltigen Bewirtschaftung beschäftigen. Sie erörterten aus unterschiedlichen Blickwinkeln, welchen Stellenwert das Thema in der politischen Agenda haben sollte und welche Wege dafür zu beschreiten sind.

  • DIE ÖFFENTLICHE DEBATTE

    DIE ÖFFENTLICHE DEBATTE

    Thema in den Hintergrund getreten

    Die Tropenwaldfrage sei in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts in der Öffentlichkeit sehr präsent gewesen, leitete Claude Martin, Ex-WWF-Generaldirektor, die Fachtagung in Zollikofen ein. Damals habe es mangels Fernerkundungsdaten jedoch keine verlässlichen Angaben darüber gegeben, wo und wie rasch Wälder verschwinden. Heute verfüge man zwar über diese Daten – aber um die Jahrtausendwende sei das Thema tropische Regenwälder in den Hintergrund der öffentlichen Debatten gerückt. Dabei seien ein Viertel dieser Wälder komplett verschwunden, ein weiteres Viertel degradiert. «Die Hälfte ist noch intakt.» Umso wichtiger sei es, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie sich dieser Anteil erhalten lässt.

     

     

    Konkrete Projekte unterstützen und Wissen teilen

    Maja Graf, Nationalrätin der Grünen, unterstrich die Dringlichkeit des Tropenwaldschutzes mit den vielfältigen Funktionen der Wälder für Mensch und Tier. Zumal rund zwei Milliarden Menschen direkt von solchen Wäldern abhängig seien. Positiv vermerkte sie, dass die Schweiz «seit 2012 wenigstens eine Deklarationspflicht für alle Hölzer» kenne. Leider sei das Schweizer Engagement zugunsten des Erhalts der Regenwälder jedoch abgeflacht. Sie forderte die zuständigen Bundesämter auf, wieder vermehrt konkrete Projekte vor Ort zu unterstützen. Die Schweiz kann ihr zufolge noch weiter punkten: «Wir verfolgen seit 120 Jahren eine vorbildliche nachhaltige Waldpolitik. Diese Erfahrungen und dieses Wissen können wir mit andern teilen.»

     

     

    Strategien und viele offene Fragen

    In seiner Grussbotschaft merkte Chris Buss, stellvertretender Direktor der International Union for Conservation of Nature (IUCN), an, dass die Zusammenarbeit mit der Schweiz in der Vergangenheit sehr gut gewesen sei. Die Kernfrage mit Blick auf die Zukunft laute: Wie kann man die Waldbewirtschaftung noch verstärkt nutzen, um die grossen Herausforderungen Klimawandel, Ernährungssicherheit und Armutsreduktion anzugehen? Hierfür brauche es vor allem Landnutzungsstrategien, so Buss.

     

     

    Die Bundesverwaltung arbeitet derzeit laut Rolf Manser, Chef der Abteilung Wald beim Bundesamt für Umwelt BAFU, an einer Waldstrategie für die kommenden Jahre. Dies in Übereinstimmung mit den globalen Waldzielen der UNO. Wichtige Fragen seien indes noch offen: Wo soll die Schweiz die Schwerpunkte setzen? Wo ihr eigenes Know-how einbringen? Wie den Erhalt der Tropenwälder finanzieren helfen und wie dabei den Privatsektor einbeziehen?

     

     

    Das waren denn auch Fragen, über die im Anschluss debattiert wurde mit (v.l.n.r.):

    • Ernst Brugger, Stiftungsratspräsident der Precious Forest Foundation 

    • Patrick Sieber, Programmbeauftragter Globalprogramm Klimawandel, Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA 

    • Jörg Reimer, Direktor der Schweizer Holzhandelszentrale 

    • Keith Anderson, Verantwortlicher für REDD+ beim BAFU

    • Johanna Michel, stv. Geschäftsleiterin Bruno Manser Fonds

    • Christian Küchli (von hinten), Moderator, von der Sektion Waldleistungen und Waldpflege des BAFU

     

  • SITUATIONSANALYSE TROPENWALD

    SITUATIONSANALYSE TROPENWALD

    In einer kurzen Einführung zur aktuellen Situation der tropischen Regenwälder wies Jürgen Blaser, Dozent für internationale Waldwissenschaften und Klimawandel an der BFH-HAFL, auf eines der grössten Probleme hin: Wälder sind eine nationale Ressource und international gibt es keinen Konsens, dass sie ein weltweites öffentliches Gut darstellen. «Die Käseglocke drauf und Augen zu funktioniert aber nicht. Wir müssen etwas tun», mahnte der Waldwissenschaftler. «Sonst verschwinden die natürlichen Tropenwälder in den nächsten ein bis zwei Generationen.»

     

    Präsentation (pdf)

  • TROPENWALDFORSCHUNG HEUTE

    TROPENWALDFORSCHUNG HEUTE

    Jaboury Ghazoul, Professor für Ökosystem-Management an der ETH Zürich, legte zunächst dar, wie die Forschung zu den Tropenwäldern über die Jahrzehnte verlaufen ist: vom Artenschutz über integrierte Schutz- und Entwicklungsprojekte bis hin zum heutigen Ansatz, Mensch und Natur gemeinsam zu betrachten. Um die grossen Herausforderungen und Probleme zu lösen, bedarf es künftig laut ihm deutlich mehr Verhandlungen zwischen den unterschiedlichen Akteuren und partizipative Ansätze, bei denen man sich zu- statt weghört. Und er führte als Beispiel an: «Sind wir bereit zu akzeptieren, dass betroffene lokale Gemeinschaften zu Ergebnissen kommen, die uns als nicht wünschenswert erscheinen?»

     

    Präsentation (pdf)

  • NACHHALTIGE TROPENBEWIRTSCHAFTUNG

    NACHHALTIGE TROPENBEWIRTSCHAFTUNG

    Markus Brütsch, CEO von Precious Woods, erläuterte, wie sein Unternehmen Tropenwälder nachhaltig bewirtschaftet und wie sich das auf die soziale, ökologische und wirtschaftliche Situation vor Ort auswirkt. Er betonte, dass die nachhaltige Nutzung des Regenwaldes gleichzeitig auch dessen bester Schutz sei. Denn: «Damit sorgen wir für Stabilität in den Gebieten, in denen wir tätig sind.» Er sagte aber auch, dass dies eine Nische sei. Allerdings eine, «für die es sich lohnt zu kämpfen».

     

    Präsentation (pdf)

  • TROPENWALD UND INDIGENE VÖLKER

    TROPENWALD UND INDIGENE VÖLKER

    Als Geschäftsführer der NGO Gesellschaft für bedrohte Völker brachte Christoph Wiedmer noch einen Aspekt in die Debatte ein, die oft vergessen geht: die Indigenen, die in Tropenwäldern leben. Sie seien kleine Minderheiten, die politisch und gesellschaftlich marginalisiert sowie darüber hinaus auch wirtschaftlich ausgebeutet würden. Wiedmer brach eine Lanze dafür, dass die Diskussionen um Schutz und Nutzung der Tropenwälder diese Völker zwingend miteinbeziehen müssten.

     

    Präsentation (pdf)

  • WORKSHOPS UND SYNTHESE

    WORKSHOPS UND SYNTHESE

     

    In Workshops diskutierten die Tagungsteilnehmenden folgende Themen und mögliche Lösungsansätze:

     

    • Tropenwald: Erwartungen an Forschung und Politik

    • Entwicklung, Schutz und Nachhaltige Nutzung

    • Public/private/civil society partnerships: Der Ansatz der Schweiz?

     

    Dabei wurde ein Strauss von Vorschlägen und Postulaten entwickelt, die Finanzierungsmechanismen, Forschungsansätze, die mögliche Unterstützung von indigenen Völkern oder die Sensibilisierung der Öffentlichkeit umfassten. Deutlich hervor ging ein Wunsch: Die gemeinsame Debatte soll nach dieser Tagung weitergehen.

     

Claude Martin, Moderator der Tagung, und Christoph Dürr, stellvertretender Sektionschef der Sektion Waldleistungen und Waldpflege beim BAFU, zu den Tagungsresultaten.

Auf Facebook teilen

Toolbox