Milchproduzenten gehen neue Wege

Zollikofen, 4. Mai 2015

 

Marktöffnung, Abschaffung der Kontingente, stark schwankende Absatzpreise: Die Schweizer Milchproduzenten sind gefordert. Auf der Suche nach mehr Rentabilität sind an der Basis neue Initiativen entstanden. Eine erste Bilanz von Forschenden der BFH – Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL zeigt: Die Impulse entfalten positive Wirkungen, die sich aber noch beweisen müssen.  

 

«Milch. Werde gross, bleibe stark», so die Botschaft der Schweizer Milchproduzenten SMP an die Konsumentinnen und Konsumenten. Doch: Gilt das auch für die Produzenten selbst? Denn diese stehen unter Druck. Die raschen Marktentwicklungen erfordern von ihnen steigende Wirtschaftlichkeit. Gleichzeitig müssen sie und ihre Organisationen schnell auf neue Rahmenbedingungen reagieren und ihre Kompetenzen anpassen.

 

In jüngerer Zeit sind daher Initiativen entstanden, die Alternativen zum «klassischen» Modell darstellen, in dem die Produzenten die Rolle von reinen Milchlieferanten für die Industrie einnehmen. In mehreren Fallstudien haben Forschende der BFH-HAFL jetzt alternative Marktketten untersucht und verglichen. Das Ziel: die Chancen und Risiken solcher Ansätze auszuloten.

 

Lokale Produktion, breiteres Know-how, mehr Solidarität und Selbstbestimmung

«Wir haben mehrere Organisationsformen angetroffen, die heute neue Wege gehen», so Projektleiter Jérémie Forney: Genossenschaften zum einen, zum andern neue Aktiengesellschaften, die aus Milchgenossenschaften entstanden sind, und drittens Produzentenorganisationen, die direkt mit der milchverarbeitenden Industrie zusammenarbeiten. Laut Forney setzen alle untersuchten Initiativen auf die lokale Produktionsschiene. «Sie haben auch neue Beziehungen zu ihren Wirtschaftspartnern geknüpft.» Bisher habe sich das wirtschaftlich positiv ausgewirkt. «Zudem haben sich die Organisationen neues Know-how angeeignet – beispielsweise im Marketing.»

 

Die Basis-Initiativen zeichnen sich ferner durch ähnliche Werte-Systeme aus. So beruhen alle Ansätze auf demokratischer Mitbestimmung, stärkerer Solidarität unter den Mitgliedern und mehr Unabhängigkeit von den Industriepartnern. «Viele strategische Entscheide zielen auf eine grössere Vielfalt bei den Absatzkanälen oder darauf, eine eigene Verarbeitung zu entwickeln», erläutert Isabel Häberli, Co-Autorin der HAFL-Studie.

 

Der Wandel hat jedoch auch Nebenwirkungen. So kommen die Forschenden etwa zum Schluss: «Ob Genossenschaft oder Aktiengesellschaft: Die Produzentenorganisationen müssen mit starken Spannungen zwischen genossenschaftlichen Werten und ökonomischen Zielen umgehen.» Das Fazit, das sie ziehen: Obwohl sie den dauerhaften Erfolg noch beweisen müssen, können diese Initiativen für die Produzenten eine zukunftsträchtige Alternative darstellen.

Auskunft für Medien

Isabel Häberli

isabel.haeberli(at)bfh(dot)ch

Tel. +41 (0)31 910 21 11

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