«Es braucht die Faszination, immer wieder Neues auszuprobieren»

Mike Glauser, kreativer Käser, Absolvent des Studiengangs in Milchtechnologie (2008) und zusammen mit Jürg Wyss Preisträger des Swiss Economic Awards über seine Studienzeit in Zollikofen.

 

    
Es gibt kaum ein Medium in der Deutschschweiz, das noch nicht über dich, deine speziellen Käse oder eure Firma jumi berichtet hätte – erst recht nicht, seit ihr im Juni den Swiss Economic Award gewonnen habt. Hat sich diese Entwicklung schon während deines Studiums in Milchtechnologie an der damaligen SHL angebahnt?

Wir haben immer etwas gemacht, an dem wir Freude hatten; auch während des Studiums. Ich stamme aus einer Familie von Käsern. Ein paar von ihnen haben auch immer etwas Neues ausprobiert. Bis 1998 war das Käsen in der Schweiz ja praktisch eine Planwirtschaft. Heute ist es so, dass jeder, der Emmentaler produziert, seinen Betrieb schliessen muss, wenn er nicht noch etwas anderes produziert. Anders gesagt: früher durftest du fast nichts anderes als die traditionellen Käse produzieren und heute musst du es tun, wenn du überleben willst.

 
Dir ist der Wandel also entgegen gekommen?

Ich bin wohl nicht der Typ, der Emmentaler produziert. Dazu bin ich zu wenig konstant. Denn das braucht enorm viel Selbstdisziplin. Das andere braucht die Faszination, immer wieder Neues auszuprobieren.

 
Du hast unter anderem das Hanfmutschli entwickelt. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Ganz am Anfang des Studiums hatte ich eine Hanfplantage. Die war ursprünglich nicht zum Käsen gedacht. Wir hatten deshalb zuhause riesige Diskussionen. Da habe ich gesagt, gut, wir hören mit dem Zeug auf, aber wir machen damit ein Hanfchäsli. Die Mutter hat die Samen geröstet, damit sie knackig bleiben, und wir haben damit Käse gemacht. Heute kaufen wir die Samen für den Hanfkäse ein.

 
Hat dir das Studium etwas gebracht?

Ja sicher. Unsere Klasse war ein super Team. Ich habe viele gute Leute kennen gelernt, hatte viel Zeit, um Sachen auszuprobieren, habe viele Ideen ausgetauscht. Und da ist auch der ganze Apparat, wo du viel Wissen abholen kannst. Die haben Zeit für dich, weil es ja ihre Aufgabe ist, dich auszubilden. Nachher hast du das nie mehr. Das Studium gibt dir eine unglaubliche Freiheit. Im  Job ist das anders, weil du eine ganz andere Verantwortung trägst.

  

«Das Studium gibt dir eine unglaubliche Freiheit.»

 
Was war das Wichtigste, das du in Zollikofen gelernt hast?

Was man gelernt oder was man während dieser Zeit gemacht hat, von dem man heute noch profitiert? Das sind zwei verschiedene Dinge. Was du gelernt hast, lässt sich nicht einfach so abgrenzen. Du hast ja vieles von der Familie mitbekommen, den Menschen rundherum…  Jeder kleine Schritt bringt irgendetwas. Sicher aber habe ich gelernt, wie man genau zu den Informationen kommt, die man braucht. Das ist extrem hilfreich im heutigen Informationsdschungel.

 
Was ist rückblickend dein Eindruck von der Schule?

Es war sehr menschlich, und darum geht es ja: um die Entwicklung des Menschen. Wissen alleine reicht nicht. Natürlich gab es auch negativere Dinge und Situationen. Die meisten Leute dort sind aber super. Diese Schule hat ein Riesenherz. Das unterscheidet sie von andern. Ich denke, das ist immer noch so, auch wenn sie grösser geworden ist. Es geht ja um bodenständige Materie – darum wird auch die Schule am Boden bleiben. Und das ist wichtig.


Eure Firma jumi habt ihr während deiner Studienzeit gegründet. Wie viel Zeit hast du dafür und wie viel für die Schule aufgewendet?

Das eine fliesst immer ins andere. Der grösste Teil der Zeit ging schon in die Gründung von jumi und in Ideen und Projekte, die wir hatten. Aber dafür ist man ja auch an die Schule gegangen: um Sachen auszuprobieren. Manchmal hat die Schule geholfen, zum Beispiel bei finanziellen Berechnungen oder gewissen rechtlichen Fragen. Manchmal war das Studium weniger hilfreich. Dann hat man den Unterricht halt weniger oft besucht.

  
Du hast dein Studium also nicht nach dem Studienplan absolviert, sondern die Module ausgesucht, die nützlich für deine Projekte waren?

Ja sicher – das macht doch jeder so! Das, wofür man sich interessiert, besucht man. Wir hatten super Möglichkeiten und konnten querbeet Module belegen. Zum Beispiel nonverbale Kommunikation oder Module mit psychologischem Inhalt fand ich faszinierend.

    
Was würdest du heute als Festredner an einer Diplomfeier der HAFL den Bachelors mit auf den Weg geben?

(Überlegt) Als erstes würde ich ihnen sagen, dass sie sich nicht zuerst mit dem Titel, sondern mit dem Namen vorstellen sollen. Denn wenn man drei Jahre auf etwas hingearbeitet hat, hat man den Hang dazu zu meinen, man sei eher der Titel als der Mensch. Als zweites würde ich ihnen das sagen, was mir mal jemand gesagt hat: an der Schule lernst du nicht unbedingt das, was du nachher brauchst. Du lernst, wie du dich in einem bestimmten Zeitrahmen in einem Gebiet vertiefen kannst. Anders gesagt: du eignest dir Werkzeuge an, aber gebaut hast du damit noch nichts. Weiter würde ich ihnen sagen, dass sie vieles ausprobieren und ihren eigenen Weg gehen sollen. Natürlich auch, dass sie eine richtige Party machen sollen – sie haben ja lange genug dafür gearbeitet – und dass sie den Kontakt mit der Schule nach ein paar Jahren wieder suchen sollen.

  

Interview: Gaby Allheilig, Nicole Nussbaumer